Sportzahnmedizin mit System – Drei-Säulen-Modell und Salutogenese im Fokus der DGSZM-Session

Von Prof. Dr. Abdulmajeed Okshah

Berlin, November 2025 – Auf dem 4. Gemeinschaftskongress der zahnmedizinischen Fachgesellschaften in Berlin präsentierten Prof. Dr. Dr. Tilman Fritsch und Stavros Avgerinos von der Deutschen Gesellschaft für Sportzahnmedizin (DGSZM) neue Impulse für die Weiterentwicklung der Sportzahnmedizin.

Am Samstag, 1. November 2025, gestalteten beide Referenten die DGSZM-Session mit zwei gemeinsamen Vorträgen. Einer davon, der Beitrag von Stavros Avgerinos mit dem Titel „Zwischen Vorbild und Verführung – Nikotinkonsum junger Athlet:innen im Spiegel der Sportzahnmedizin“, beleuchtete die sportzahnmedizinische Bedeutung des zunehmenden Nikotinkonsums über Vapes im Leistungs- und Nachwuchssport. Bereits am Freitag, 31. Oktober 2025, referierte Avgerinos in der Session der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) über Traumaprävention im Sport.

Die Österreichische Gesellschaft für Sportzahnmedizin (ÖGSZM) und die SBMC AG (Swiss Biological Medicine Center) mit angeschlossener Akademie wurden in der Session repräsentativ einbezogen – beide Referenten sind dort aktiv, und die DGSZM kooperiert eng mit diesen Institutionen. Gemeinsam standen sie für die enge Verzahnung der DGSZM mit ihren österreichischen und schweizerischen Partnerstrukturen.

Struktur schaffen: das Drei-Säulen-Modell

In seinem Vortrag zeigte Prof. Dr. Dr. Tilman Fritsch auf, dass aktuell mindestens 19 unterschiedliche Systematiken und Behandlungsansätze innerhalb der zahnmedizinischen Fachbereiche existieren. Diese Vielfalt erschwere eine einheitliche Kommunikation zwischen den Disziplinen. Ziel seiner Arbeit sei daher die Entwicklung einer einfachen, interdisziplinär anschlussfähigen Systematik, die als gemeinsame Plattform für Zahn-, Allgemein- und Sportmedizin dient.

Darauf aufbauend stellte Fritsch das Drei-Säulen-Modell der sportzahnmedizinischen Systematik vor – bestehend aus den Bereichen Toxifikation, Silent Inflammation und Dynamic Function.

Innerhalb der ersten Säule, Toxifikation, prägte er den Begriff als Einwirkung äußerer Einflüsse auf den Körper, die unerwünschte Wirkungen hervorrufen und nicht zur Aufrechterhaltung physiologischer Prozesse beitragen. Ergänzend wurde der Fachbegriff „Oraliom“ eingeführt, der ein durch zahnärztliche Materialien oder Pflegeprodukte verändertes Mikrobiom beschreibt, das bidirektional mit den Geweben und Oberflächen der Mundhöhle interagiert.

Salutogenese als Leitprinzip

Im Zusammenhang mit der zweiten Säule, Silent Inflammation, betonte Stavros Avgerinos die Salutogenese als zentrales Leitprinzip der Sportzahnmedizin. Dieses Konzept, das die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit in den Vordergrund stellt, könne – so Avgerinos – weit über den Sport hinaus die gesamte orale Medizin und sogar die Medizin insgesamt prägen. 

Die Umsetzung salutogenetischer Ansätze verspreche Vorteile in Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Lebensqualität und Langlebigkeit. In diesem Kontext verwies Avgerinos auf seine aktuelle Publikation in Frontiers of Oral Health: „Achieving Oral and Planetary Health: How Sports Dental Medicine Can Pioneer and Realize Transformation in Oral Healthcare“ (Frontiers, 2025, https://www.frontiersin.org/journals/oral-health/articles/10.3389/froh.2025.1664261/full).

Von der Praxis in die Arena

Besuch in der Arena für den praktischen Teil

Im praktischen Teil der Session veranschaulichten Fritsch und Avgerinos anhand realer Fälle den Bezug zwischen wissenschaftlicher Systematik und sportlicher Anwendung. Avgerinos diskutierte am Beispiel des Nikotinkonsums über Vapes die sportzahnmedizinische Relevanz exogener Belastungen, während Fritsch den Zusammenhang zur Säule Toxifikation und dem Prinzip der Hormesis erläuterte.

Darauf folgten zwei weitere praxisorientierte Vorträge:

15:15 – 15:45 Uhr: „Von der Praxis in die Arena – Vorbereitung und Behandlung von Spitzensportlern“
Dr. Aylin Selçuk (DGSZM, Nürnberg) und Dr. Alexandra Bartsch (DGSZM, Nürnberg; Charité Berlin)

15:45 – 16:30 Uhr: „Autogene Zahntransplantation bei Frontzahntrauma“
Prof. Dr. Sameh Attia (Charité Berlin)

Diese Beiträge schlugen die Brücke von der Theorie zur Praxis und zeigten, wie sportzahnmedizinische Erkenntnisse im Leistungssport konkret umgesetzt werden.

Dynamik und internationale Standards

Im abschließenden Teil betonten Fritsch und Avgerinos die Bedeutung einer internationalen Vernetzung der Sportzahnmedizin. Das vorgestellte „dynamische Modell“ soll sicherstellen, dass wissenschaftlich evidenter Fortschritt und neue Erkenntnisse kontinuierlich in die Aus- und Weiterbildung einfließen – insbesondere im Spitzensport, wo höchste medizinische Standards entscheidend für maximale Leistungsfähigkeit sind.

Als Beispiele wurden die laufenden Masterkurse der Sportzahnmedizin und internationale Zertifizierungsprogramme genannt, die Qualitätssicherung, Wissensaustausch und strukturelle Vernetzung über Ländergrenzen hinweg fördern. Damit setzt die DGSZM ein deutliches Zeichen für eine europäisch und international koordinierte Weiterentwicklung des Fachgebiets.

Fazit

Die DGSZM-Session auf dem 4. Gemeinschaftskongress der zahnmedizinischen Fachgesellschaften zeigte eindrucksvoll, wie sich Wissenschaft, Praxis und internationale Zusammenarbeit in der modernen Sportzahnmedizin verbinden. Mit dem Drei-Säulen-Modell, dem salutogenetischen Ansatz und den praxisnahen Beispielen wurde eine neue Grundlage geschaffen, um sportzahnmedizinische Erkenntnisse interdisziplinär zu denken und nachhaltig umzusetzen. Die Veranstaltung setzte damit einen klaren Impuls für eine zukunftsorientierte, evidenzbasierte und global vernetzte Sportzahnmedizin.

Kontakt: Deutsche Gesellschaft für Sportzahnmedizin (DGSZM), Österreichische Gesellschaft für Sport -Zahnmedizin und -Medizin (ÖGSZM)

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